Viatikum

Unser Projekt ist das einer Reise. Eine mehrere Wochen dauernde Reise, welche Zeit lässt unsere westlichen hysterischen Halbinseln hinter uns zu lassen.

Eine Reise auf die kontinentale Platte. Dorthin wo das alte Kaiserreich auf den Orient stößt. Dort wo man andere Echos hört, andere Gerüche wahrnimmt, ein Gefühl – nicht von nirgendwo in einer Welt wo immer der Ort so wichtig ist – überall, ein Gefühl von irgendwo, mit einem anderen Sinn für Weite, des Bodens, hier sein, ein anderer Sinn der Zeit, Einfachheit und, vielleicht, Schönheit...

Eine geopoetischer Weg, den wir gehen wollen um uns selbst und die anderen besser kennen zu lernen: Mehr als fünfzehn Künstler reisen mit, Choreografen, Solisten, Australier, Chinesen, Mazedonier, Franzosen, Italiener, Albanesen, Polen, 3 Musiker, 1 Philosoph-Poet-Übersetzer, 1 Videokünstler, 3 Ton-Lichtechniker und 3 Koordinatoren.

Unsere Reise beginnt im September von Paris aus, mit dem Flugzeug, dann weiter auf dem Boden (Zug und Auto), damit man ein bisschen dort ist, wo man vorbei kommt, stehen bleiben, abzweigen, sich verirren, zufällig essen gehen, sich trennen und sich wieder finden kann. Eine Reise dicht über der Landschaft. Städte im "Osten": Kosice –vielleicht-, Wien, Kanjiza-la-Voivodine, dann Debrecen und Paris. Nächstes Jahr: vielleicht Bratislava, Liblin, Miskolc, Lubliana...

An jedem Etappenziel wollen wir zeigen, treffen und arbeiten. Wir kommen anders wieder als wir weggefahren sind. Jeder kommt mit, bepackt mit seinem Künstlerkoffer, gestaltet, zeigt ein kurzes Solo, welches sich im Laufe der Reise – wahrscheinlich, vielleicht – verändert, verfärbt, mutiert und mit der Straße verraucht. Wir werden die Vorstellungen miteinander verknüpfen, in jeder Stadt, im Theatersaal, jeder mit jedem, in jeweils drei unterschiedlichen Abenden mit immer anderen Kombinationen.

Wir bieten Treffen zwischen dem Publikum und den Künstlern an, je nach Art und Möglichkeiten der Orte: Ateliers, Work-Shops, Forschung, Austausche, gemeinsame Experimente. Und dann, zweifellos von der Gruppe ausgehend, wird sich die Kunst des einen und des anderen vermischen, sich zufällig im Laufe der Reise öffnen - im Vorbeigehen - sich aneinander reiben, sich vermischen, sich anstecken, schillern.

 

 TUMULUS: In der weiten Tiefebene befindet sich ein bescheidener, tausendjähriger Erdhügel, auf welchen man sich stellt, entweder um den Feind zu sehen, oder um den anderen ein Zeichen zu geben, um die Gefahr zu erkennen oder sich zu freuen.